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Text und Bild im Fluss?

Wasser „symbolisch“ und „virtuell“

 

Die elementaren Eigenschaften von Wasser kann ich symbolisch nutzen,

kann sprachlich Bedeutungen erzeugen, Imaginationsräume eröffnen.
 
Mit digitalen Medien kann ich sinnlich überwältigend für das Auge Wasser realistisch fließen lassen. Doch im Digitalismus ist mittlerweile alles "im Fluß".
 
Im "Streaming" fließen Texte, Musik und Filme in Echtzeit als Datensätze auf unsere elektronischen Speichermedien. Es sind Datengespenster, gestaltlos in der Welt der Objekte und Körper, flüchtig in der Zeit. Man sieht, hört, liest und muß ständig neu konsumieren.
Wenn man innehält und sich vergegenwärtigt, mit welchen Mitteln wir Digitalität zu beschreiben und zu begreifen versuchen, dann holt uns in Form der sprachlichen Bilder der von der digitalen Technik ausgeschlossene Anteil unseres Erlebens wieder ein: die Welt der Objekte und der Körper, die Natur, der Fluß.
 
„Virtuelles Wasser“ ist abstrakt und real zugleich.
Die Wasserwirtschaft erfasst mit diesem Begriff die Wassermenge, die benötigt wird, um ein bestimmtes Produkt herzustellen oder einen bestimmten Lebensstil zu pflegen. Die Tasse Kaffee, die ich trinke, während ich diesen Text schreibe, benötigte für ihre Erzeugung ungefähr 140 Liter Wasser.
Man pflegt in diesem Zusammenhang eher von „Kosten“ zu sprechen, weil der Wasserverbrauch abhängig vom Wohlstand ist (Faszination Forschung 4/09, S.33).
 
Auch der symbolische Wasserverbrauch hängt sehr stark vom Wohlstand ab. Denn Figuren wie „Flüchtlingsströme“ oder „Rentnerschwemme“ – das "Unwort" von 1996 – entstehen wohl nur in einer Kultur und einem politischen Klima, in dem die Furcht umgeht, dass solche metaphorischen Figuren irgendwann Wirklichkeit werden können und damit den gewohnten Lebensstil bedrohen.
 
Mit Sprache Bilder zu erzeugen und mit poetischen und rhetorischen Mitteln durchzusetzen,ist die ureigene Aufgabe von Schriftstellern, Autoren aller Textsorten und Politikern.
 
 
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